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Buchbesprechung
mini-sail e.V.icon-ms-040

buch-02.htm; 04.2002

bild-01g.jpgSCALE SAILING MODELS
von Phillip Vaughan William

Um außerhalb der mini-sail etwas zum Thema ferngesteuerte vorbildgetreue Segelschiffsmodelle zu erfahren, ist man in der Regel auf die spärlichen Artikel in Fachzeitschriften angewiesen (deswegen sind wir ja auch Mitglieder in der IG). Ein Buch ist bislang noch nicht zu bekommen, auch wenn immer wieder mal Gerüchte auftauchen, dieser oder jener würde an einem arbeiten. Um so mehr überrascht war ich, in London ein englischsprachiges Buch mit dem Titel "Scale Sailing Models", also vorbildgetreue segelnde Modelle, zu entdecken. Da ein Bild von einem meiner Modelle drin ist, habe ich es sogar gekauft, obwohl ich von dem Autor noch nie etwas gehört hatte.

Beim zweiten durchblättern und dem lesen der Bildunterschriften stieß ich dann auf eine Menge weiterer bekannter Modelle von Andreas Gondesen, Harald Kossack, Wim Moonen und Hans Staal. Außerdem finden sich eine Menge weiterer Fotos von Modellen und Originalen sowie einige Zeichnungen. Soweit, so gut, dachte ich mir, lese ich das Buch halt mal.

Zwar hatte ich mir den Inhalt zu Anfang noch unter dem Gesichtspunkt vorgenommen, ob das Buch eventuell zu übersetzen sei. Die ersten Probleme tauchten aber dann darin auf, daß auf viele Materialien und Quellen verwiesen wird, die in Deutschland nicht erhältlich sind. Dann kam es mir irgendwann so vor, als ob in der Einleitung und in der Erläuterung der typischen Probleme mit dieser Art von Modellen ständig nur im Kreis und um den heizen Brei herum geredet wird. Na gut, die Sache ist nun mal nicht so einfach zu erklären, weiterlesen. Irgendwann begann ich dann damit, Absätze zu überspringen und Kapitel nicht zu Ende zu lesen, und ich muß zugeben, das Buch in über zwei Monaten immer noch nicht fertig gelesen zu haben!

Woran liegt es? Meiner Meinung nach ist das Buch einfach nicht übermäßig gut.

OK, Gründe: Wer sich mit dem Gedanken befaßt, ein Segelschiffsmodell zu bauen, wird dies nicht unbedingt als Erstlingswerk tun wollen. Es ist also ziemlich sicher schon das Wissen da, wie prinzipiell ein Modell gebaut wird. Falls sich doch ein Anfänger mit diesem Buch an sein erstes Modell wagt, wird ihm mit den wenigen Seiten "Bauanleitung" auch nicht geholfen sein.

Die speziellen Anforderungen, die ein Modell dieser Art stellt, zum Beispiel, wie man nach Fertigstellung jemals wieder an die Segelverstellung kommt, oder wie zum Transport die Takelage demontiert werden kann, werden nur beiläufig in ein paar Sätzen erwähnt.

Recht gut ist das Kapitel über Segel, ziemlich haarsträubend dagegen das über Fernsteuerung und Segelverstellung. Einige der dargestellten Systeme funktionieren nur bei sehr leichtem Wind, oder gar nicht, und Dinge wie funktionsfähige Seitenschwerter kommen erst gar nicht vor.

Es ist beim Lesen etwas lästig, daß ständig "der hat das so gemacht, der so, und der wieder anders" vorkommt. Vor allem, wenn man genau weiß, daß der Autor weder mit dem jeweiligen Modellbauer gesprochen, noch das Modell gesehen hat, und daß die beschriebenen Einzelheiten schlicht falsch sind. Außerdem ist nicht unbedingt interessant, wer was gebaut hat, sondern wie was gebaut wird. Trotzdem besteht dann noch ein großer Teil des Buches aus der Beschreibung bestimmter Typen von Schiffen und ihrer Besonderheiten, und wer welches Modell davon gebaut hat. Man bekommt hier letztendlich den Eindruck, daß der Autor zwar viel über Schiffe weiß, nicht soviel aber über Modelle, und daß man die 39 Mark für das Buch lieber bei einem sicher unterhaltsamen abendlichen Gespräch mit dem Autor in der Kneipe investiert hätte.

Fazit:
Es ist das erste und bisher einzige Buch über mini-sail-Modelle und hat daher seinen Platz in den Bücherregalen derjenigen verdient, die englisch lesen können, und die sich was aus Büchern über Modelle machen. Alle anderen haben nicht viel verpaßt.


Michael Wolf
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